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Finanzwissen

Zinsen und nun? Der Geldanlage-Guide für steigende Zinsen

Wenn die Zinsen steigen, werden Tagesgeld und Festgeld wieder attraktiver. Was das für Aktien, Anleihen und deine Geldanlage bedeutet.

4 Min. Lesezeit (aktualisiert am 12. Juni 2026)

Gestapelte Pappbecher mit aufgedrucktem Prozentzeichen in einer Cafeteria, Nahaufnahme
Inhaltsverzeichnis
  1. Eine kurze Geschichte der Zinspolitik
  2. Nur noch in Zinsprodukte investieren, wenn die Zinsen steigen?
  3. Was steigende Zinsen für Anleihen und Aktien bedeuten
  4. Langfristig denken und nach Zielen investieren

Zinserhöhung um Zinserhöhung: Wenn die Zinsen steigen, wie 2022 und 2023 und zuletzt wieder 2026, gibt es auf manche Tages- und Festgeldkonten wieder gute Zinsen. Lohnen sich Aktien angesichts dieser attraktiven Zins-Möglichkeiten überhaupt noch, sind sie das Risiko wert? Genau damit beschäftigen wir uns in diesem Beitrag.

Eine kurze Geschichte der Zinspolitik

Wenn du zu den vielen jungen Erwachsenen gehörst, die erst nach der Finanzmarktkrise von 2008 volljährig wurden, dann sind für dich Niedrig‑, Null- und sogar Negativzinsen die Normalität. Dabei ist diese Normalität eigentlich eine Anomalie. Anfang der 1990er Jahre lag der Leitzins der Bundesbank, der sogenannte Diskontsatz, bei rund 8 %. Wenn man sich die Geschichte anschaut, sind positive Zinsen nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Allerdings haben die Jahre mit Nullzinsen unser Bild verschoben: Von Juni 2014 bis Juli 2022 lag der Einlagesatz der EZB sogar im negativen Bereich. Erst die Zinswende ab 2022 hat das geändert. Im Herbst 2023 erreichte der Einlagesatz mit 4 % den höchsten Stand seit Einführung des Euros, und auch 2026 hat die EZB die Zinsen wieder angehoben.

Sinn und Zweck des Leitzinses

Der Leitzins ist ein wichtiges geldpolitisches Instrument, das von der Zentralbank eines Landes (z.B. Federal Reserve) oder einer Währungsunion (z.B. Europäische Zentralbank) festgelegt wird. Durch Anhebung oder Senkung des Leitzinses steuert die Zentralbank die Geldversorgung in der Wirtschaft, um Ziele wie Preisstabilität, Wirtschaftswachstum und Vollbeschäftigung zu erreichen. Ein hoher Leitzins macht Kredite und Darlehen teurer, was die Kreditnachfrage und damit die Geldmenge in der Wirtschaft reduziert. Dies kann die Inflation dämpfen, hat jedoch oft eine verlangsamende Wirkung auf das Wirtschaftswachstum. Ein niedriger Leitzins hingegen fördert die Kreditvergabe und Investitionen, kann aber auch das Risiko einer steigenden Inflation erhöhen.

Nur noch in Zinsprodukte investieren, wenn die Zinsen steigen?

Steigende Zinsen machen Zinsprodukte, wie Tagesgeld, Festgeld und Geldmarktfonds, wieder attraktiver. Das Geld vermehrt sich dort mit vergleichsweise geringem Risiko, und so stellt sich die Frage, ob man nur noch in Zinsprodukte investieren sollte. Die Antwort ist einfach: Nein.

Zinsangebote eignen sich vor allem, wenn sie als „Parkplatz“ für Geld genutzt werden, das kurzfristig verfügbar sein soll. Wer aber Vermögen aufbauen will, sollte auch die Renditechancen der Kapitalmärkte im Blick behalten. Hinzu kommt, dass immer der Realzins beachtet werden muss. Während es für das Geld auf dem Tagesgeldkonto oder für das Festgeld zwar die vereinbarten Zinsen gibt, kann durch die Entwicklung der Inflation die Kaufkraft des Geldes sinken.

Die Rechnung dazu ist relativ einfach: Sind die Zinsen geringer als der Preisanstieg durch die Inflation, dann ist der Realzins negativ. Das heißt: Sparende haben zwar dank der Zinsen mehr Geld, können sich aber wegen der Inflation weniger davon kaufen. Ein Beispiel: 10.000 € auf dem Tagesgeldkonto wachsen bei 2,5 % Zinsen in 30 Jahren nominal auf rund 20.976 €. Bei einer Inflation von 3 % pro Jahr entspricht das aber nur noch einer Kaufkraft von rund 8.640 € von heute (Beispielrechnung mit angenommenen Werten, ohne Steuern und Kosten). Das macht den langfristigen Vermögensaufbau mit einem Zinsprodukt deutlich schwerer.

Was steigende Zinsen für Anleihen und Aktien bedeuten

Steigende Zinsen wirken sich auch auf Anleihen und Aktien aus. Bei Anleihen gibt es zwei Effekte: Neu ausgegebene Anleihen bieten höhere Zinsen, die Renditeerwartung für neue Käufe steigt also. Gleichzeitig fallen die Kurse bereits ausgegebener Anleihen in der Regel, weil sie niedrigere Zinsen zahlen als neue. Wie stark, hängt unter anderem von der Laufzeit ab.

Auch bei Aktien gibt es einen Zusammenhang: Wer Aktien kauft, geht ein höheres Risiko ein als bei einem Zinsprodukt und erwartet dafür eine höhere Rendite. Steigen die Zinsen, steigt auch diese Erwartung, und die Aktienkurse können sich anpassen. Das kann zeitweise zu Kursrückgängen führen. Wie stark, hängt von Branche und Unternehmen ab.

Im Gegensatz zu Zinsprodukten werfen Aktien (und in Teilen Anleihen) historisch betrachtet langfristig höhere Renditen, oberhalb der Inflation, ab. So liegt die Prämie für das Risiko, das man mit einem Aktieninvestment eingeht, durchschnittlich zwischen 7 und 9 % pro Jahr. In der Grafik sieht man gut, wie sich die verschiedenen Anlageklassen – Anleihen, Geldmarkt (Zinsprodukt) und Aktien – von Ende 2000 bis Ende September 2026 entwickelt haben. Trotz der zeitweise schlechten Entwicklung des Aktienmarktes konnte man sein eingesetztes Kapital in diesem Zeitraum mehr als verfünffachen.

Hinweis: Vergangenheitsbezogene Daten sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Die Darstellungen berücksichtigen keine Kosten, die bei der Geldanlage anfallen können, oder Steuern auf Erträge.

Langfristig denken und nach Zielen investieren

Wie die Grafik der historischen Wertentwicklung der Anlageklassen zeigt, ist eine langfristige Perspektive beim Investieren essenziell. Es ist wichtig, sich nicht von kurzfristigen Marktschwankungen oder Schlagzeilen beirren zu lassen. Das heißt nicht, dass ein Zinsprodukt keine Berechtigung hat, nur für die Altersvorsorge und andere langfristige Sparziele ist es weniger gut geeignet. Grundsätzlich kann man folgende Zeithorizonte und damit einhergehende Anlagestrategien definieren:

  • Das „Jetzt-Geld“: Für kurzfristige Ersparnisse, zum Beispiel für den Jahresurlaub oder den Notgroschen, eignen sich Zinsprodukte. Sie sind schnell verfügbar und bringen zusätzlich Zinsen (die allerdings nicht immer über der Inflation liegen).

  • Das „Bald-Geld“: Für finanzielle Ziele im Zeitraum von 1 bis 5 Jahren eignen sich Geldmarktprodukte, Zinsprodukte und in Teilen, besonders bei längeren Anlagezeiträumen von 3 bis 5 Jahren, risikoarme Mischfonds sowie Anleihenfonds.

  • Das „Später-Geld“: Für den langfristigen Vermögensaufbau, wie zum Beispiel die Altersvorsorge, eignet sich in der Regel ein breit gestreutes Portfolio mit hohem Aktienanteil. Aktienfonds können stark schwanken, haben langfristig aber (historisch betrachtet) die höchsten Renditen erzielt. Ein langer Anlagezeitraum kann dabei helfen, Schwankungen auszusitzen.

Geschrieben von Maria Bauer

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.