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Sparen

Geld sparen oder ausgeben? Entscheidung zwischen Glück und Entbehrung?

Konsumieren oder sparen? Wie glücklich macht Konsum und ist Sparen wirklich so entbehrend? Nein – es kommt auf das „Wie“ an!

5 Min. Lesezeit (aktualisiert am 5. September 2023)

Einzelner Einkaufswagen in einer leeren Tiefgarage
Inhaltsverzeichnis
  1. Sparen ist eine Frage der persönlichen Einstellung
  2. Ausgeben statt Sparen: Ist der Staat an allem schuld?
  3. Geld ansparen oder ausgeben? Eine Faustformel gibt es nicht!
  4. Sparen als auch Ausgeben bedeutet: Alles in Maßen, nicht in Massen
  5. Richtigen Mittelweg zwischen Sparen und Geldausgeben finden

Sparen – warum? Wofür geht man arbeiten, wenn man das verdiente Geld nicht einfach ausgibt und das Leben genießt? Sparen ist also eher „uncool“ – wirklich? Nein, ist es eben nicht, wenn man sich im Klaren darüber ist, was mit einem klaren Sparziel vor Augen erreichbar ist. Und den Verlockungen des alltäglichen Konsums widersteht.

Zugegeben: Das Kaufen und Geldausgeben hat dem Sparen längst den Rang abgelaufen. Oft kaufen wir nur, um zu besitzen – Kaufen um des Kaufens willen. Die schönen Dinge des Lebens, über das Lebensnotwendige hinaus, immer. Allumfassender Konsum – das ist ein Merkmal unserer Gesellschaft. Das „Nein“-Sagen fällt zunehmend schwer.

Dabei ist Geldausgeben oder Sparen eine durchaus individuelle Entscheidung einer jeden Person. Alle stehen permanent vor der Wahl, etwas zu kaufen und zu verbrauchen oder eben abzuwarten und mit dem Gesparten Rücklagen zu bilden.

Stellt sich also die Frage: Wie glücklich macht Konsum und ist Sparen wirklich so entbehrend?

Sparen ist eine Frage der persönlichen Einstellung

Die privaten Haushalte in Deutschland besitzen laut Bundesbank ein Geldvermögen von rund 9,5 Billionen Euro (Stand: Ende März 2026). Das ist eine beachtliche Summe. Gleichzeitig steht längst nicht jede Person finanziell gut da: Laut Creditreform gelten rund 5,7 Millionen Erwachsene (8,16 %) als überschuldet. Sie geben dauerhaft mehr aus, als sie einnehmen, und haben weder Rücklagen noch Kreditspielraum. Ein Teufelskreis beginnt.

Zwei Menschen halten Händchen hinter einer Holzbank, links eine orange Sparschwein-Figur, rechts zwei Einkaufstüten

Im Kern des ewigen Zwiespalts zwischen Geldausgeben und Sparen steht ganz klar die persönliche Einstellung. Es ist eine persönliche Abwägung.

  • Lieber heute konsumieren oder lieber später im Alter das Geld genießen?

  • Brauche ich wirklich ein neues Auto oder tut’s auch ein Gebrauchtwagen?

  • Brauche ich wirklich diese große Wohnung für mich allein oder würde eine kleinere auch reichen?

Ein großes Problem in der Debatte stellen die eigenen Bedürfnisse dar. Diese scheinen umso größer zu werden, je höher das verfügbare Einkommen ist. Mit mehr Geld lassen sich noch mehr Wünsche erfüllen. Letztendlich sollte man sich auch dafür belohnen, wenn man mehr geleistet und in Folge auch verdient hat. Oder etwa nicht? Und wenn ohnehin eine hohe Geldsumme zur Verfügung steht, warum dann Geld sparen? Schließlich beschert einem das Geldausgeben ein deutlich höheres Glücksgefühl als es einfach irgendwo auf einem Sparkonto zu parken.

Ausgeben statt Sparen: Ist der Staat an allem schuld?

Gewagte Fragestellung? Sicherlich – doch es steht auch Folgendes fest: Das Verhältnis von Konsum und Sparen spiegelt sich nicht nur im Wohlstandsniveau und den Konsumbedürfnissen von einzelnen Personen, sondern auch im Verhältnis von Bürger:innen und Staat wider. Schließlich stehen Konsum und Sparen im Zusammenhang mit der Entstehung von Krisen. Heute besteht die Herausforderung nicht allein in einer akuten Konjunkturschwäche, sondern in strukturellen Problemen: Laut Sachverständigenrat Wirtschaft ist die seit sieben Jahren anhaltende Schwäche der deutschen Wirtschaft nicht nur konjunkturell, sondern auch strukturell bedingt.

Politisch gibt es oft den Wunsch, den Konsum und damit die Konjunktur anzukurbeln. Das gelingt allerdings nur, wenn die Haushalte mitziehen und nicht den Großteil ihres Einkommens zurücklegen. Aktuell gibt der Staat mehr aus: Der Staatskonsum stieg 2025 preisbereinigt um 1,5 %, im 2. Quartal 2026 sogar um 3,0 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Bürger:innen halten sich dagegen weiter zurück: Die Sparquote lag im 2. Quartal 2026 bei 9,6 % (Vorjahresquartal: 9,5 %), und der reale private Konsum stieg nur um 0,1 %.

Das ist für die Wirtschaft nicht ohne Folgen: Je mehr die Haushalte eines Landes sparen, desto weniger geben sie für Konsum aus und bremsen so die Wirtschaft. In Großbritannien und den USA ist der Anteil des privaten Konsums an der Wirtschaftsleistung deutlich höher als in Deutschland.

Geld ansparen oder ausgeben? Eine Faustformel gibt es nicht!

Feststellung: Geld anzusparen heißt für die Zukunft vorzusorgen, mit dem Kapital von heute. Wer heute zumindest einen Teil seines Geldes spart, kann zukünftig mehr konsumieren. Vorausgesetzt, das zur Verfügung stehende Kapital wurde produktiv verwendet. Die einzige Alternative dazu besteht darin, einfach mehr zu arbeiten und mehr Geld zu verdienen. Wichtig ist auch: Auf etwas zu verzichten, das man sich ohnehin nicht leisten kann, ist noch kein Sparen.

Zum Verständnis: Die Konsumausgaben in Deutschland steigen seit den 1990er Jahren stetig an (nominal, also inklusive Preissteigerungen). Dabei gilt: Das Einkommen teilt sich in Konsum und Sparen. Wachsen die Konsumausgaben stärker als das Einkommen, bleibt weniger zum Sparen übrig. Wachsen beide gleich stark, bleibt die Sparquote unverändert – wie im 1. Quartal 2026, als Konsum und Einkommen jeweils um 3,3 % zulegten und die Sparquote bei 12,6 % blieb.

Mehr konsumieren und weniger sparen ODER mehr sparen und weniger konsumieren? Diese Frage steht im Raum. Dabei spielt die Zeitpräferenz eine große Rolle: Wie wichtig ist es einem, sich einen Wunsch sofort zu erfüllen statt später? Wer das Hier und Jetzt genießen will, gibt eher heute Geld aus. Wer an die Zukunft denkt und langfristige Ziele hat, legt dagegen eher etwas zur Seite. Wer weiß denn heute schon, was in zehn Jahren ist?

Sparen als auch Ausgeben bedeutet: Alles in Maßen, nicht in Massen

Um finanziell unbeschwert leben zu können, ist das Sparen unabdingbar. Jedoch gibt es, wie bei allen Dingen im Leben, auch ein Zuviel.

Es herrscht ein ständiger Konflikt zwischen aktueller und zukünftiger Bedürfnisbefriedigung. Je höher man die zukünftige Bedürfnisbefriedigung bewertet, desto mehr spart man logischerweise. Dabei sollte man sich selbst nicht so sehr zum Sparen zwingen, dass das Glück, sich auch mal etwas zu gönnen, ganz hinten ansteht. Das führt auf Dauer zu Frust.

Beim Sparen geht es oft um Ziele. Die meisten Menschen haben konkrete Ziele vor Augen, auf die sie hin sparen möchten. Von deren Erreichen erhoffen wir uns eine größere Zufriedenheit. All diese Sparziele gehen immer mit einem gewissen Druck einher, ohne diesen wäre ja auch alles ziemlich langweilig und träge.

Aber was passiert, wenn der Druck zu groß wird? Indem man seine finanziellen Ziele entspannter angeht, entlastet man sich selbst. Man sollte sich immer die Frage stellen, ob es eine entscheidende Rolle im Leben spielt, die finanziellen Ziele fünf Jahre eher oder später zu erreichen.

Das Sparen ist zudem eine gewisse Form des Mangeldenkens. Denn häufig ist die Vorstellung „Wenn ich endlich reich bin …“ ein Trugschluss. Meist geht der Satz nämlich weiter mit „… dann bin ich endlich glücklich.“ Wer so denkt, sagt sich unbewusst: Jetzt kann ich noch nicht glücklich sein. Und wer sich ständig fragt, wie noch mehr Geld zusammenkommt, fühlt sich schnell schlechter.

Richtigen Mittelweg zwischen Sparen und Geldausgeben finden

Das Sparen und der damit einhergehende Verzicht sind für den finanziellen Erfolg essentiell. Doch sollte das eigene Glück deswegen nicht hinten anstehen müssen. Wie viel man spart oder für Konsum ausgibt, liegt immer im Ermessen jeder einzelnen Person und ist von deren Zielen und Zeitpräferenzen abhängig.

Geschrieben von Maria Bauer

Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.