Aktivrente: Arbeiten im Ruhestand lohnt sich jetzt mehr
Was steckt hinter der Aktivrente? Erfahre, wie sie das Arbeiten im Alter attraktiver machen soll und welche steuerlichen Vorteile gelten.
Inhaltsverzeichnis
Viele Menschen möchten auch nach dem Renteneintritt weiterarbeiten – sei es, weil sie Freude an ihrem Beruf haben, sich fit halten wollen oder einfach das zusätzliche Einkommen schätzen. Seit dem 1. Januar 2026 lohnt sich genau das mehr: Mit der Aktivrente dürfen Beschäftigte nach Erreichen der Regelaltersgrenze bis zu 2.000 Euro im Monat – also 24.000 Euro im Jahr – steuerfrei zur normalen Rente dazuverdienen.
Die Bundesregierung will damit ein Zeichen setzen: Wer im Alter weiter anpackt, soll dafür nicht bestraft, sondern belohnt werden. Hintergrund ist auch der wachsende Fachkräftemangel in Deutschland – vor allem in Bereichen wie Pflege, Bildung und Handwerk. Schon jetzt gehen laut Statistischem Bundesamt rund 14 % der Menschen zwischen 65 und 74 Jahren, die in Rente sind, weiterhin einer Erwerbstätigkeit nach (2025). Mit der Aktivrente soll dieser Trend unterstützt und gleichzeitig der Übergang in den Ruhestand flexibler gestaltet werden.
So funktioniert die Aktivrente
Voraussetzung ist, dass du die gesetzliche Regelaltersgrenze erreicht hast – je nach Jahrgang zwischen 65 und 67 Jahren – und weiterhin sozialversicherungspflichtig angestellt bist. Dann darfst du bis zu 2.000 Euro brutto monatlich steuerfrei verdienen. Dein Arbeitgeber berücksichtigt die Steuerfreiheit direkt bei der Gehaltsabrechnung. Sie gilt allerdings nur für ein Arbeitsverhältnis.
Auch wenn auf diesen Verdienst keine Steuern anfallen, werden Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung weiterhin fällig. Die Hälfte davon übernimmt dein Arbeitgeber. In der Renten- und Arbeitslosenversicherung entfallen deine Beiträge ab der Regelaltersgrenze, nur dein Arbeitgeber zahlt weiter seinen Anteil. Zusätzliche Rentenansprüche baust du dadurch nicht auf. Wer möchte, kann gegenüber dem Arbeitgeber auf die Versicherungsfreiheit in der Rentenversicherung verzichten und weiter Beiträge zahlen, um die eigene Rente zu erhöhen.
Wer profitiert von der Aktivrente?
Von der Aktivrente profitieren vor allem Menschen, die nach dem Erreichen der Regelaltersgrenze angestellt bleiben und Lust haben, weiterhin im Berufsleben aktiv zu sein. Ob sie vorher selbstständig, angestellt oder verbeamtet waren, spielt keine Rolle – entscheidend ist das sozialversicherungspflichtige Angestelltenverhältnis im Rentenalter.
Nicht profitieren können hingegen Selbstständige und Freiberufliche, da die Regelung ausschließlich für sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen gilt. Das Gleiche gilt für Minijobs und für Beamtenverhältnisse. Wer vorzeitig in Rente gegangen ist, kann die Aktivrente erst ab dem Monat nach Erreichen der Regelaltersgrenze in Anspruch nehmen.
Kritik an der Aktivrente
Viele sehen die Aktivrente als positives Signal: Sie wertschätzt die Lebensleistung älterer Menschen und gibt ihnen mehr Flexibilität beim Renteneintritt. Kritische Stimmen weisen jedoch darauf hin, dass vor allem Gutverdienende davon profitieren – also diejenigen, die ohnehin weitergearbeitet hätten. Branchen mit hoher körperlicher oder psychischer Belastung, etwa in der Pflege oder auf dem Bau, werden dagegen nur wenig entlastet, da hier ein längeres Arbeiten oft aus gesundheitlichen Gründen gar nicht möglich ist.
Auch Selbstständige und Freiberufliche sind bislang nicht einbezogen. Für sie gilt die Steuerbefreiung nicht, da die Aktivrente ausschließlich auf sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse ausgerichtet ist. Damit bleibt ein großer Teil der Erwerbstätigen unberücksichtigt, der ebenfalls im Ruhestand weiterarbeiten möchte – etwa Selbstständige im Handwerk, in der Medizin oder im Kulturbereich.
Hinzu kommt, dass die Steuerfreiheit den Staat Geld kostet: Die Bundesregierung rechnete bei der Einführung mit Mindereinnahmen von bis zu 890 Millionen Euro jährlich. Forschungsinstitute erwarten höhere Kosten: Das Institut der deutschen Wirtschaft beziffert den Mitnahmeeffekt auf 2,8 Milliarden Euro jährlich. Die Ausfälle entstehen vor allem, weil auch diejenigen profitieren, die schon heute über das Rentenalter hinaus arbeiten und für ihren Zuverdienst nun keine Steuern mehr zahlen müssen. Gleichzeitig ist noch unklar, ob Arbeitgeber tatsächlich gezielt Menschen im Rentenalter einstellen werden, wenn damit möglicherweise höhere Krankheitsausfälle oder organisatorische Anpassungen verbunden sind.
Was bedeutet das für dich und deine Altersvorsorge?
Die Aktivrente ist ein Schritt hin zu mehr Freiheit im Ruhestand. Wer im Alter weiterarbeiten möchte, kann das seit 2026 einfacher und finanziell attraktiver tun. Trotzdem ersetzt die Aktivrente keine durchdachte Altersvorsorgestrategie. Sie kann ein ergänzender Baustein sein, aber kein Fundament. Denn sie greift erst, wenn du die Regelaltersgrenze erreicht hast – und bis dahin sollte dein finanzielles Polster stehen. Eine stabile, gut geplante Vorsorgestrategie sorgt dafür, dass du später wirklich die Wahl hast.
Ein Rechenbeispiel zeigt, wie sich die Aktivrente auswirken kann: Wer 2.000 Euro brutto im Ruhestand verdient, bekommt ohne Aktivrente etwa 1.500 Euro netto. Mit der Aktivrente könnten es rund 300 Euro mehr im Monat sein – also über 3.600 Euro im Jahr. Wie hoch der Vorteil im Einzelfall ausfällt, hängt natürlich von deinem persönlichen Steuersatz ab.
Verdienst du mehr als 2.000 Euro, wird der darüberliegende Betrag ganz normal versteuert. Interessant ist aber: Das steuerfreie Einkommen wird nicht auf den Steuersatz deiner übrigen Einkünfte angerechnet. Wer also beispielsweise 3.000 Euro verdient, zahlt nur auf 1.000 Euro Steuern – der Rest bleibt steuerfrei.
Unser Tipp
Wenn du regelmäßig über neue Entwicklungen wie die Aktivrente informiert werden möchtest, trage dich in unseren Altersvorsorge-Newsletter ein. Dort bekommst du verständlich erklärt, was sich bei Rente und Vorsorge ändert – und wie du deine Zukunft selbst in die Hand nehmen kannst.
Geschrieben von Maria Bauer
Dieser Beitrag dient der Information und ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.